DIE NOMINIERUNGEN 2012 UND 2014


Nachfolgend die NOMINIERUNGEN DES JAHRES 2014 :


Kabale und Liebe

 

Foto: Maik Schuck


Gruppe: 
stellwerk - das junge Theater Weimar

Regie: 
Yves Hinrichts

Autor: 
Friedrich Schiller



Die Bahnhofskathedrale

 

Foto: David Funk

 

Gruppe: 
Candlelight Dynamite, Erfurt

Regie: 
Cornelia Schäfer

Autor: 
Michael Ende




... dann können wir so was eben 

in Zukunft nicht mehr machen!

 

Foto: Bernd Seydel

 











Gruppe: 
art der stadt, Gotha

Regie: 
Constantin von Thun

Autor: 
Eigenproduktion



 

Sternenhagel


Foto: Alexander Stemplewitz

Gruppe:  
theater-spiel-laden, Rudolstadt

Regie: 
Charlotte Kummerow

Autor: 
Charlotte Kummerow/
Stückentwicklung



Ausgeleuchtet!

 

Foto: Wolfgang Kurima Rauschning


Gruppe: 
schwarzweissfigurentheater, Nordhausen

Regie: 
Rike Reiniger

Autor: 
Patrick Jech/Rike Reiniger




Chirpy Chirpy Cheep Cheep

 

Foto: Stephan Walzl

Gruppe: 
JugendTheARTerWelt e.V., Altenburg

Regie: 
Manuel Kressin

Autor: 
Manuel Kressin








 

 


Nachfolgend die NOMINIERUNGEN DES JAHRES 2012
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Nominiert für den Thüringer Theaterpreis und damit Teilnehmer am AVANT ART FESTIVAL 2012 vom 25. - 27. Oktober in Weimar sind:

der art der stadt e.V. und sein Ensemble „theater der stadt“ Gotha mit der Inszenierung  Ente, Tod und Tulpe 
 
[Foto: Bernd Seydel]
 
 
JURYBEGRÜNDUNG:
Man könnte meinen, dass Wolf Erlbruch die passenden Illustrationen zu seinem Kinderbuch „Ente, Tod und Tulpe“ längst selbst geliefert hat. Man könnte. Was die Laienspieler des „art der stadt gotha e.V.“ - Daniela Rockstuhl (Tod) und Elisa Oehme (Ente) – in ihrer Interpretation des in kürzester Zeit zum Klassiker gewordenen Kinderbuchs abliefern, ist aller Ehren wert. Einen Text zu illustrieren, Bilder sprachlich auszumalen, Rollen zu chargieren – all das wird oft zur Rate gezogen, um allzu einfaltsloses Theater zu kritisieren. Im Falle der Inszenierung des jungen Regisseurs Werner Wittig verkehrt sich genau diese Wahrnehmung ins Positive. Spielweise und Ausstattung, Umgang mit Text und Einsatz der Musik – (fast) alle Mittel treffen den Kern kindlicher Fantasie und Imagination. „Ente Tod und Tulpe“ in der Version des „art der stadt gotha“ - ein einfallreiches Theater der einfachen Mittel und des kraftvollen Spiels. Grund genug, die Produktion zum „Avant-Art-Festival“ einzuladen! 
Jonas Zipf


das D.A.S. Jugendtheater im Stellwerk Weimar mit der Inszenierung  PROVIDURIUM 
 
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[Foto: Maik Schuck]
 
 
JURYBEGRÜNDUNG:
Mit "Providurium" richtet das Stellwerk Weimar eine verstetigte performative Baustelle ein. In einem künstlerischen Forschungsprozess entdeckt und untersucht die heterogene Gruppe aus Erfurt, Weimar und Jena Bewegungsmuster und Choreographien des Alltags. Mit und in einer Klangraum-Installation entsteht ein Abend, der Tanz- und Sprechperformance vereint. "Providurium" nimmt dabei nicht nur seinen Titel ernst, sondern auch seine Akteure. Von Choreographin Mandy Unger und Regisseur Lucian Patermann  werden sie nicht nur genau geführt, sondern als Forscher und Protokollanten von Anfang an in die Stückentwicklung eingebunden. Die offen angelegte Erarbeitung macht ihren prozeßhaften Charakter deutlich sichtbar. Das Ergebnis hat eine flexible Form, die es erlaubt, Adaptionen an neue Aufführungsorte und -formate vorzunehmen. Eine Arbeitsweise, die auch für den hohen künstlerischen Anspruch der Gruppe an sich selbst steht. 
Indem "Providurium" Zeit- und Raummaße spielerisch verändert, dehnt und staucht, verbindet und auseinander reißt, synchronisiert und entkoppelt, bringt die Performance den Alltag des Betrachters aus dem Takt und macht so Verborgenes sichtbar. Gewohnheitsmäßig Bekanntes wird fremd und rückt damit wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit. Da konsequent auf Protagonisten verzichtet wird und ständig neue Konstellationen entstehen, bleibt die analytische Distanz dabei immer bestehen. Als akustischer und visueller Beobachter wird der Zuschauer so selbst zum Mitwirkenden der Forschungsarbeit.
  Dirk Förster
 

die Theaterscheune Teutleben in Kooperation mit Maas & Fieber Ost mit der Inszenierung   Fall Out Girl 
 
[Foto: Joachim Dette]
  
 
JURYBEGRÜNDUNG:
Die Produktion „Fallout Girl“ zeichnet sich durch einen hohen Grad spielerischer Experimente aus. Sie verbindet auf der Bühne, dramaturgisch schlüssig, musikalische Einlagen, Video und Spielszenen – und schafft damit einen narrativen Mehrwert, der weit über die Addition einzelner Elemente oder ein Stationendrama hinausgeht. Dabei variieren die gewählten Stilmittel zwischen professioneller Projektion und z.T. einfachster Verkleidungs- und Bühnenwechsel. Die vielfach schrille und rasante Kombination steht jedoch in direkter Korrespondenz zum gewählten Stückinhalt und erlangt damit einen hohen Grad von Schlüssigkeit, Professionalität und Authentizität, die verstärkt wird durch die Präsenz der beiden durch den Abend führenden Protagonisten.
Die auf mehreren Ebenen angesiedelte Handlung führt lustvoll in den Bereich der Popkultur und der Geschichte der friedlichen und kriegerischen Nutzung der Radioaktivität. Darüber hinaus thematisiert sie deren narrativ-populäre Anverwandlung in verschiedenen Medien, z.B. Comic und Film. Die Gruppe Theaterscheune Teutleben eröffnen durch Ihr Wirken zahlreiche Kooperation und geben ihr Wissen als Multiplikatoren in Thüringen und ganz Deutschland weiter. Sie stehen damit für ein modellhaftes Beispiel an lokaler und nationaler Vernetzung.
Michael Grisko
 

das Theater „die Schotte“ aus Erfurt mit der Inszenierung  Romeo und Julia  
 
[Foto: Lutz Edelhoff]
  
 
JURYBEGRÜNDUNG:
Das Video der Aufführung „Romeo und Julia“ der „Schotte“ aus Erfurt für die Bewerbung um den Thüringer Theaterpreis und für die Teilnahme am Avant Art Festival 2012 bestätigt trotz der Einschränkung auf die Totale, dass es sich um eine beeindruckende Theateraufführung handelt.
Die dramaturgische Gliederung der Inszenierung, die bühnenbildnerische Lösung mit einem Container im Zentrum der Bühne, die auf das Notwendige beschränkte prägnante Licht- und Tonregie sowie die Darstellerführung bestechen durch Präzision und  Authentizität und führen zu einer eigenen Formensprache und Ästhetik. Das ist für ein Amateurtheater bemerkenswert und auch im professionellen Theater nicht alltäglich.
Gezeigt wird eine große historische Tragödie, die für heutiges Publikum nachvollziehbar ist und die zutiefst berührt. Das liegt an dem gelungenen Wechsel zwischen Gruppen- und Massenszenen, die epische Dimension erreichen, und intimen Dialogen mit wenigen Darstellern. Im Zentrum steht eine Liebesbeziehung, deren Entstehung und Entwicklung die Zuschauer mitverfolgen können, die aber als Spielball zwischen sich bekämpfenden sozialen Gruppen wegen unmöglicher Anpassung tragisch scheitert.
Sprachlich werden die Konflikte in handfester Argumentation geführt, ohne falsche Emotionen. Die intimen Szenen erreichen eine sachliche Poesie und Größe voll innerer Spannung. Dabei wandeln die jungen Spielerinnen und Spieler die gebundene Verssprache in ihre eigene. Herauszuheben ist auch das chorische Sprechen, das sowohl durch Rhythmus als auch Geschlossenheit beeindruckt.
Wiederholt werden die Zuschauer von dramaturgischen Höhepunkten überrascht, weil das Containerzeitalter die alte Geschichte durchdringt. Obwohl es hart zur Sache geht, wird dem Publikum Stadttheaterblut erspart.
Wenn die Aufführung in dieser gezeigten Qualität regelmäßig so wiederholt werden kann, bestätigt das den gewonnenen Eindruck vom inhaltlichen Ringen um den Stoff und seiner gelungenen Erarbeitung.
Die bekannte Ausstrahlung der Schotte über Erfurts Grenzen hinaus wird durch die Teilnahme am  Avant Art -Treffen einmal mehr bestätigt. 
Roland Friedel


die Theatergruppe „Dramazone“ aus Bad Frankenhausen mit der Performance  Wenn du mich rettest 
 
[Foto: Dramazone]
 
 
JURYBEGRÜNDUNG:
Dramazone stellen Fragen. Dramazone stellen sich selbst gewählten Herausforderungen. Dramazone geben sich Aufgaben.
Aus diesem persönlichen Interesse, der biografisch geprägten Auswahl aus den großen Fragen unserer Zeit – Angst, Rettung, Heimat – entwickeln sie ihre Projekte. Dabei entstehen unterschiedlichste performative Formate, die sich populärkultureller Phänomene bedienen – nie nennen sie das, was sie da tun „Inszenierung“ oder „Theater“.
Sie selbst nennen sich Performer, die in der Tat wenig darstellen, sondern sich immer selbst den Situationen und Settings, die sie kreieren, aussetzen. Ihr Publikum treffen diese Tests oft eben so hart: mal müssen sie fünfstündigen Gesellschaftsspielen zuschauen und Wertungen abgeben, mal dürfen sie ihr Stadt-Maskottchen wählen und wiederum ein anderes Mal entwickelt sich ein leichter Dinnerabend zur erinnerungspolitischen Diskussion, die auf den Papiertischdecken dokumentiert werden muss.
„Wenn du mich rettest...“ kommt zunächst als Gesellschaftsspiel daher. Es gibt Stationen und  wiederkehrende Runden von festgelegter Dauer in denen Rettungspunkte erzielt werden müssen. Die jungen Performer stellen sich ihren Erfahrungen zum Thema Rettung und agieren diese für ihr Publikum aus – sie winken und schreiben Briefe, sie formulieren Versprechen und kreieren Seifenblasenmomente. Was zunächst nur heiter erscheint, verliert über die Dauer mehrerer Stunden diese Maske und gewinnt immer mehr gedanklichen Tiefgang. Wie in jedem Spiel vergehen manche Stunden rasant schnell, anderes zieht sich quälend in die Länge. Und so ist es zu einer Qualität geworden, dass Dramazone mit ihrem Publikum Themen aushält und ausharrt, unbequem bleibt und die Frage nach den partizipativen und reflexiven Möglichkeiten des Theaters stellt.
„Wenn du mich rettest...“ ist dabei nur ein Ausschnitt ihrer zahlreichen Formate und Performances die sie im Kollektiv entwickeln, um unsere Gesellschaft – ihr Publikum – zu testen, zu untersuchen und zu involvieren.
Dramazone ist eine Gruppe, die vieles denkt, wagt und im Stande ist, uns und unsere (Seh-) Gewohnheiten herauszufordern. 
Tabea Hörnlein
 

das Theater am Markt aus Eisenach mit der Inszenierung 
 Der nackte Wahnsinn  
 
http://www.theaterammarkt.de/tl_files/Inhalte/bilder/Stuecke/Wahnsinn/TAM_Wahnsinn_4.jpg
[Foto: Sascha Willms]
  
 
JURYBEGRÜNDUNG:
 So viel Selbstironie schreit nach einer spielerischen Umsetzung! Michael Frayns Well-made-Komödie „Der nackte Wahnsinn“ handelt vom ganz normalen Theaterwahnsinn hinter den Kulissen einer Boulvard-Theatergruppe. Daß sich Regisseur Marcus Coenen ausgerechnet diesen Stoff für das tam-Ensemble ausgesucht hat, spricht für sich: Die Sicht der passionierten Laienspieler auf die große, weite und gleichzeitig ganz enge, bornierte Welt des freien Theaters kennt keine moralische Grenze und lässt kein Klischee aus. Marcus Coenen treibt seine Spieler zu einer Art Theatersport, der ihnen irrsinnigen Spaß zu machen scheint. Dieses Ensemble zerlegt Frayns Theaterstück in minutiöse, präzise gearbeitete Pointen und schafft es dabei, das eigene Spieltempo bis zum Schluss hoch zu halten. Auch wenn das Stück so manche Redundanz und Länge beinhaltet; auch wenn die Wahl der Regiemittel überhaupt keine eigenständig formale Übersetzung für das Stück findet  - die tam-Spieler legen los wie die Feuerwehr. So soll Laien-Theater sein! So macht Boulevard-Komödie Spaß.
 Jonas Zipf