28.10.2016

EINE FESTIVALBILDERSCHAU

ZAHLREICHE FESTIVALIMPRESSIONEN VON BERND SEYDEL:

DAS FESTIVAL IN BILDERN

25.10.2016

FINALE DES AVANT ART FESTIVALS MIT VERGABE DES THÜRINGER THEATERPREISES

Mit der Preisverleihung des Thüringer Theaterpreises 2016 fand das Avant Art
Festival am Abend des 22.10. im Theaterhaus Jena einen würdigen Abschluss. Vier
Nominierungen aus Thüringen sowie zwei Gastspiele wurden auf dem Festival
präsentiert.


Das Preisträgerensemble / Foto: Bernd Seydel
Die nominierten Produktionen zeigten die Vielfalt der Thüringer Theaterlandschaft. „Und das so kurz vor dem Fest“ vom theater der stadt Gotha und „Abräumen“ vom jungen Theater im stellwerk Weimar wenden sich an die jüngsten Zuschauer. „Antigone“ von der Schotte aus Erfurt und „Taxi Driver“ vom Theaterhaus Jena sind Produktionen, die aktuelle Fragestellungen aufgreifen. Die ebenfalls nominierte Inszenierung „Fluchten“ vom theater der stadt Gotha konnte seine Teilnahme in Jena leider nicht ermöglichen.

Die Fachjury vergab den Thüringer Theaterpreis 2016 an die Inszenierung „Taxi Driver“ vom Theaterhaus Jena. Die Inszenierung "Taxi Driver", so ein Auszug aus der Jurybegründung, sei eine musterhafte handwerkliche Arbeit in allen Aspekten und Bereichen ihrer künstlerischen Erarbeitung. Eine zeitgenössische Inszenierung könne thematisch nicht aktueller und relevanter sein.

Die Vergabe des Publikumspreises erfolgte in einer äußerst knappen Entscheidung
zwischen allen vier gezeigten Nominierungen. Das Festivalpublikum vergab den
diesjährigen Publikumspreis ebenfalls an die Inszenierung „Taxi Driver“.


Die Organisatoren des Festivals, der Thüringer Theaterverband und das
Theaterhaus Jena, blicken auf ein sehr erfolgreiches Festival zurück. Die sieben
Aufführungen des Festivals sahen etwa 550 Zuschauer.


Dank an die Fachjury / Foto: Bernd Seydel




Frank Grünert, Vorsitzender des Thüringer Theaterverbands, fasst die drei Tage so
zusammen: „Wir danken den Teilnehmern für herausragende Inszenierungen, den
Organisatoren und Akteuren auf dem Festival für das gelungene Festival und dem Theaterhaus Jena für die diesjährige herzliche Gastgeberschaft.“ In zwei Jahren wird das Festival der Freien Theaterszene in Thüringen an einem anderen Ort ausgerichtet.





23.10.2016

AUCH DIE GEHEIME DRAMATURGISCHE GESELLSCHAFT VERGAB PREISE


Hier kommen die Kategorien der Preisverleihung der Geheimen Dramturgischen Gesellschaft und ihre Preisträger. Jeder Preis ist traditionell mit 25cent (Dosenpfand) dotiert. 

nützlichstes Gerät - Dark Star für den Einsatz der Mikrowelle in ihrer Doppelfunktion als vollfunktionsfähige Allküche und Bewusstmachung der Kopräsenz von Performer*innen und Zuschauenden 

Der schönste Mauerfall - Jonas Zipf und die Altlasten des Landes Thüringen 

most magic moment - an Debora aus Weimar und ihren Gesichtsausdruck als das Bühnenbild beinahe sie abräumte. (Sie war auch an der Gesprächsrunde mit den Schotten beteiligt) 

glänzendster Zahnglanz - Taxi Driver für die Zähne in den Videoprojektionen 

Moment der größten Verblüffung - Nicole und Sören, die in der durational Performance Dark Star so lange mitspielten, dass sie sich sogar einen Heiratsantrag machten 

Skurrilster Moment - Hermion aus Antigone für das wilde Einschlagen auf die grauen Stoffbahnen 

Die angenehmste Abwesenheit von Regie - Und das so kurz vor dem Fest 

Der meiste Swag - Musiker aus Taxi Driver, der bescheiden von seiner Kanzel swagte 

Bestes Wortspiel - Uta: Ess-Kurve 

charmantester nichtinszenierter Auftritt - Lara für das Blumen überreichen 

spektakulärster Einsatz von Technik - Schlafen Fische für die Projektionen. Stichwort Rakete 

schönstes ungewolltes Nebengeräusch - einen Huster im Publikum als "er hustete" gesagt wurde 

größte Enttäuschung - die Abwesenheit des Ensembles von Taxi Driver auf dem Festival, auf dem sich alle gerne auch mit ihnen ausgetauscht hätten. 

berührendster Moment - der Kindersarg aus Schlafen Fische 

the most shades of grey - Antigone. Bühne und Kostüm 

schlechtester Kaffee im Festival - Der Techniker, der seinen Kaffee über den Marktstand der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft vergoss 

Der beste Verzicht - für Abräumen. Der Verzicht auf Sprache in der Inszenierung wäre der beste Verzicht gewesen 

Stück mit dem meisten Pippi in den Augen - pipidasdas aus Leipzig 

Schwierigster Umgang mit Geschlechterrollen - Dark Star: Küche 

großartigste Interaktion - die Techniker des Theaterhauses Jena für ihre Schnelligkeit, Flexibilität und Hilfsbereitschaft auf dem gesamten Avant Art 

offensichtlichster Konfettikanonenmoment, in dem keine Konfettikanone gezündet wurde - Antigone wegen der vielen Einsatzmöglichkeiten im Stückverlauf 

erstaunlichster Einsatz von Musik - die Band, die nach der Podiumsdiskussion "ain't no sunshine" für uns spielte


TAXI DRIVER



Martin Scorseses Film „Taxi Driver“ handelt vom von der Gesellschaft ungesehenen, ungeliebten, unverstandenen Travis, der in seiner scheinbaren Ohnmächtigkeit gegenüber „dem Abschaum der Nacht“ zum Mittel der Selbstjustiz greift. Diese Thematik des Aufstandes der „politisch Unverstandenen“ ist in Deutschland aktuell so populär, das sich jeder unschuldige Fußgänger mindestens einen Halbsatz Meinung dazu abringen könnte. So wurde die Nominierung des Theaterhauses Jena (Das Theaterstück zum Film) 40 Jahre in die Zukunft verschoben und Travis stellte man in die Reihen der mistgabelschwingenden Pegida-Anhänger. Ein komplett logischer Schritt, der durch die großzügig verteilten Interpretationsspielräume glücklicherweise relativiert wird. 











Die Bühne ist mit schwarzer Folie ausgelegt, wegen dem Wasser das darauf verteilt ist, und im Hintergrund hängen 4 lange Stoffbahnen, die die Projektionsfläche für den Ablauf einer Maschine bilden. Versetzt stehen drei Männer im Vordergrund und leiern den Traum von einem fiktivem Idyll herunter. Früh wird klar, dass diese Männer verschiedene Charakterzüge ein und derselben Person verkörpern. Travis ist zwischen Naivität, jugendlichem Tatendrang und der Suche nach irgendeiner Identität geteilt. Dadurch ist er einerseits als gebrochene Persönlichkeit illustriert, aber zeigt auch gleichzeitig die Vielfältigkeit der Menschen in seiner Situation. Seinem Leben fehlt der Sinn, so dass er seine Arbeit bereits zum Selbstzweck erhoben hat. Innerhalb seiner Suche kommt er, über eine Station in einem Pornokino mit einem wirklich ausgezeichneten Programm, bei einer Frau, in unschuldig, jungfräulichem Brautkleid gewandet, an. Von ihr bekommt er natürlich eine Abfuhr, die den Impuls für seine aktiven Bestrebungen gegen alle Diversität auf den Straßen der Stadt bietet. Gefüttert wird er durch die Phrasen der konservativen bis rechtsextremen Stimmen unserer und vergangener Zeiten, die teilweise sehr gut in den Text eingebaut wurden, aber vor allem zu Beginn etwas erzwungen wirkten. Diese erklingen mit besonderem Adressat ans Publikum. Zu nehmend entfernt sich das Stück von der Filmvorlage und wird proportional dazu abstrakter. Nun kann man Traum und Realität oft nicht mehr voneinander trennen, muss man aber auch nicht, da beide auf gleiche Weise die Entwicklung des Protagonisten darstellen und vorantreiben. Das Stück endet mit einem Schuss der den nichtsnutzigen Politikern galt und einem Hauch von Zweifel, der ihm gestattet wurde. 









Besonders durch die drei Teile des Protagonisten werden seine Persönlichkeit und sein Werdegang so facettenreich dargestellt, dass man ihn versteht, aber ihm dennoch niemals vergeben würde. Da die Problematik der Selbstjustiz, Fremdenfeindlichkeit und Politikverdrossenheit zurzeit im kollektiven Bewusstsein verankert ist, bleibt die Frage was ein Zuschauer neues daraus mitnehmen konnte. Einerseits war es der erhobene Zeigefinger, den man meistens zu eitel ist dankend anzunehmen, aber auch das Innenleben eines einzelnen Mannes der montäglichen Massen, denn im Zeichnen eines exakten Psychogrammes von Travis ist das Stück dem Film erfolgreich treu geblieben. Die Bilder des Stückes und das Spiel der Schauspieler bildeten eine so beklemmende Widerwärtigkeit auf der Bühne, die sich auf die meisten Plätze des Zuschauerraums auszubreiten vermochte, dass man besonders die Atmosphäre in Erinnerung behalten wird. 





Abschließend kann ich nur auf die zwei zurecht verdienten AVANT ART Preise verweisen.

22.10.2016

AND THE AVANT ART PREIS GOES TO...





NUR KURZ UND KNAPP:

Das Finale des AVANT ART Festivals liegt hinter uns und die beziehungsweise der Preisträger steht fest. "Taxi Driver" hat mit seinem Heimspiel sowohl das Publikum (wenn auch nur knapp) als auch die Fachjury überzeugt.

DARK STAR – FIGHT THE BOMB FIGHT THE CRISIS

Wir sitzen am Rand, stehen, liegen auf dem Boden und laufen durch den Raum. Die Zuschauer sind verteilt auf der ganzen Probebühne. In der Mitte steht ein großes, hohes, grünes Quadrat.


Eine Computerstimme begrüßt uns, weist uns in die Thematik ein und verbietet uns, die weißen Markierungen zu betreten. Ich sehe weiße Markierungen auf dem Boden, die das Quadrat umschließen. Ich darf also nicht zu nah an dieses Quadrat heran.


Die Computerstimme stellt uns zwei Agents vor. Die Agents befänden sich auf der Dark Star.
Ich beginne zu verstehen. Die Agents, die Performerin und der Performer, befinden sich in dem Quadrat und das, was wir auf den vier Leinwänden in den vier Ecken der Probebühne sehen, das ist das Innenleben des Quadrats. Der Dark Star. Einem Raumschiff. Mit Mikrowelle und was man sonst so auf einer Fahrt durchs All braucht.


Während der dreieinhalbstündigen interaktiven Performance tauchen immer wieder Probleme, die so genannten „Krisen“, auf. Die Agents bitten um Hilfe, funken das Team Ground Control an. Das sind wir, die Zuschauer: Agent Jens verhindert durch den Fund der richtigen TAN die erste große Krise, Agent Martin lässt uns durch Atemübungen entspannen und Agent Nicole bringt die Agents auf dem Raumschiff durch eine Ohrläppchenmassage zum Einschlafen. Viele weitere Agents verhindern im Verlauf der Performance Krise um Krise, singen Karaoke und lösen mathematische Probleme. Fast kommt es zu einer Hochzeit von Wächterin Nina und Wächter Sören (bekannt aus Antigone/Schotte), doch schon wieder crasht eine Krise die feierliche Zeremonie. Viel zu viele Zahlen müssen in viel zu schneller Abfolge addiert werden. 
Wir scheitern. 
16:25 Uhr. 
Die Bombe platzt.

Imke Bachmann

WIE MIR EIN KINDERGÄRTLER DAS INTERVIEW AUS DER HAND NAHM

video
Natürlich habe ich heute morgen einige Kinder interviewen dürfen. Hier könnt Ihr hören, wie der Frager zum Befragten wurde. Einfach auf das Video oben klicken und hören.

Willi Wittig

THEATERMARKTPLATZ - PLATZ FÜR GESPRÄCHE



Die Tische sind voller Werbematerialien. Flyer, Broschüren und Buttons. Kaffee und Kuchen steht bereit. Hinter den Tischen sitzen Akteure der Freien und Amateur-Theaterlandschaft. Sie warten auf Interessierte, auf Gespräche, auf einen angeregten Austausch.


Kathrin Schremb (stellwerk Weimar und Vorstand Thüringer Theaterverband) eröffnet den Markt: Die Idee dahinter sei der Netzwerkgedanke. Jeder Stand wird vorgestellt und stellt sich selbst vor.
Durch das Mikro hören wir: Das Tälertheater, das sich so nennt, da die Spieler*innen aus den Tälern kommen. Die Akteure des Greizer Theatersommers, die eine Einladung zum Gespräch aussprechen und die Möglichkeit für Gastspiele anbieten …


Das Schlusswort der Vorstellungsrunde obliegt dem Vorstandsvorsitzenden des Thüringer Theaterverbandes, Frank Grünert. Danach sind die Marktstände offiziell für persönliche Gespräche geöffnet.


Die Diskussisonsrunde zum Archiv des Freien Theaters findet auch an einem dieser Markttische bei Kaffee und Kuchen statt. Akteure fragen nach: „Was bedeutet das? Performing the Archive!? Wir von unserem Theaterensemble haben auch einen Keller? Wir wissen gar nicht wohin mit unseren Archivalien. Wie kann man sortieren? Soll es auch ein Archiv des Amateurtheaters geben?“ Viele spannende Fragen. Viele spannende Antworten.


Imke Bachmann

REAKTIONEN AUF DIE PODIUMSDISKUSSION

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Eine kleine, aber nicht zwingend repräsentative Auswahl an Teilnehmerreaktionen zur Podiumsdiskussion. Zusätzlich das bis dato längste Video.